Abstract

Habitatbäume sind eine Schlüsselkomponente der Waldbiodiversität. Seit rund 20 Jahren ist die Bedeutung von Baummikrohabitaten (BMH) als Lebensraum für Tausende teils hochspezialisierte Arten bekannt, und BMH finden zunehmend Eingang ins Waldmonitoring. Mit der Einführung der ersten europäischen Typologie der BMH verfügen das Schweizerische Landesforstinventar (LFI) und die Inventur im Buchenurwald Uholka-Schyrokyj Luh in der Ukraine als erste Grossrauminventuren über repräsentative Referenzdaten. Auch wenn die Reproduzierbarkeit bei einigen BMH-Typen eher schlecht ist, sind nach drei Erhebungsjahren des fünften LFI doch erste aufschlussreiche Vergleiche möglich. Im Schweizer Wald weisen 60% der stehenden lebenden Bäume ab 12 cm Brusthöhendurchmesser mindestens ein BMH auf. Am häufigsten in Stück pro Hektare sind solche mit Flechtenbewuchs (73), Moosbewuchs (67), Stammfusshöhlen (53), Kronentotholz (47) und Harzfluss (37), selten jene mit tiefen Mulmhöhlen (4), Spalten (1), Spechtbruthöhlen (1) und Pilzfruchtkörpern (1). Am geringsten ist die Anzahl BMH-Typen an Tannen (0.6), am grössten an Arven (1.6), Eichen (1.4) und Kastanien (1.3). Generell nimmt die Anzahl verschiedener BMH-Typen mit zunehmendem Baumdurchmesser zu. Die BMH-Dichte variiert je nach Waldfunktion, Waldeigentum, letzter Nutzung, Höhenlage und Geländeneigung. Die tiefen Werte im Mittelland und im östlichen Jura könnten Handlungsbedarf indizieren. Die BMH-Dichte an lebenden Bäumen ist im Schweizer Buchenwald gleich gross wie im Buchenurwald Uholka-Schyrokyj Luh. Allerdings sind tiefe Baumhöhlen, Rindentaschen, Kronentotholz und mehrjährige Pilzfruchtkörper im Buchenurwald häufiger, im Buchenwald dagegen Dendrotelme, Moos- und Efeubewuchs. Der wohl wichtigste ökologische Unterschied liegt im Totholzvolumen, das im Buchenurwald insgesamt fast dreimal so hoch ist wie im Buchenwald, bei den Dürrständern sogar fast sechsmal so hoch.

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