Risiken für die Gesellschaft, die aufgrund einer Kombination von meteorologischen Extremereignissen ausgelöst und durch Prozesskaskaden verstärkt werden, sind schwierig zu analysieren und noch kaum erforscht, insbesondere auch im Kontext von Klimaanpassung. In diesem Beitrag stellen wir die Ergebnisse einer Fallstudie vor, deren Ziel es war, Wissenslücken und «blinde Flecken» in Bezug auf kombinierte Klimarisiken zu schliessen. In einer semiquantitativen Analyse wurde als Ausgangslage die Kumulation von zwei aufeinanderfolgenden sehr trockenen und warmen Jahreszeiten angenommen und die möglichen Auswirkungen auf den Schutzwald im Misox (GR) untersucht. In einer umfangreichen Befragung schätzten 29 Fachpersonen aus Praxis, Forschung und Verwaltung die Wahrscheinlichkeit für einen Verlust der Schutzfunktion in verschiedenen Gefährdungsszenarien ein. Die Ergebnisse zeigen, dass einzelne Gefahren, die durch das Extremereignis ausgelöst werden können (z.B. Trockenheit, Borkenkäferbefall, Sturm), die Schutzfunktion des Waldes wahrscheinlich nicht beeinträchtigen. In Szenarien, in denen Gefahren kombiniert auftreten, erwarten die meisten Fachpersonen zumindest einen teilweisen Verlust der Schutzfunktion. Sie favorisieren Massnahmen, welche die Waldstruktur durch Verbesserung der Verjüngung stärken, insbesondere eine Reduktion des Wildbestandes. Um die Widerstandsfähigkeit der alpinen Schutzwälder gegenüber dem Klimawandel zu gewährleisten, ist es von entscheidender Bedeutung, dass Anpassungsplanung und Präventionsmassnahmen das Risiko kombinierter Extremereignisse und der damit verbundenen Gefahren berücksichtigen, welche die Wälder durch kumulative und kaskadenartige Effekte bedrohen können.

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